Klischees vermeidenAbgedroschene Denk- und Redeweisen überwinden
Um Texte lebendig statt flach, Figuren tiefgründig statt oberflächlich und Handlung überraschend statt vorhersehbar zu gestalten, gilt es Klischees zu vermeiden.
Unter einem Klischee versteht man ein eingefahrenes Denk- oder Redeschema, ein abgedroschenes Bild, tausendmal gehört und dadurch schal geworden. Wenn man zum Beispiel davon ausgeht, dass es in England immer regnet und alle dort Tee trinken, wenn man sagt, jemand sei „pünktlich wie die Maurer“ oder wenn man einen nach Schnaps stinkenden Obdachlosen erfindet, dann bedient man sich eines Klischees. Ein Denkklischee besteht in Schnellurteilen wie dem des verregneten Englands, Redeklischees sind Ausdrücke, die uns bereits automatisch über die Lippen gehen, bevor wir uns um etwas Treffenderes bemüht haben. „Schon schön, aber schau mer mal.“ Klischees verflachen den TextAls Autor fügt man seinem Text dadurch einen schweren Schaden zu, denn Klischees lassen den Text flach und langweilig werden, berechenbar und oberflächlich. Klischees drücken keine individuelle Überzeugung aus, sondern sind das Allzubekannte und warum sollte sich ein Leser damit auseinandersetzen müssen? Wer ein Beispiel braucht, kann Augusten Burroughs Roman „Trocken!“ lesen, in dem ein Klischee an das nächste gereiht wird, und vielleicht auch noch die dazugehörende Rezension von Stephan Maus. Das Körnchen WahrheitHeimtückisch an Klischees ist, dass sie oft ein Körnchen Wahrheit beinhalten. Die klimageografischen Bedingungen auf diesem Planeten begünstigen Niederschlag in England, Handwerker wissen einen pünktlichen Feierabend zu schätzen und viele Obdachlose sind dem Konsum alkoholischer Getränken zugeneigt. Was also tun? Figuren individuell gestaltenUm von vornherein Klischees möglichst auszuschließen, ist es wichtig, die Figuren sorgfältig zu gestalten, „alles“ über sie zu wissen, auch wenn nur ein Bruchteil davon in den Text einfließen wird. Wenn man genau weiß, was die Figur zu dem gemacht hat, was sie ist, was ihre Lieblingsbeschäftigung als Kind war, welche Ziele sie im Leben hat, warum sie sie nicht erreicht und was sie von den Fernsehsendungen hält, die ihr Autor schaut, dann ist es schwierig, eine nicht-individuelle Figur zu kreieren. Und die Figur bestimmt bekanntlich die Handlung. Durch Beobachtung Material gewinnenEine zweite wichtige Voraussetzung ist die Beobachtung. Man kann in der realen Wert eine Menge Material sammeln, mit dem die fiktive Welt dann ausgestattet wird. Dieses Material wird bedeutend farbiger, ungewöhnlicher, überraschender sein, als ein rasch hingeschriebenes Klischee. Übung gegen KlischeesEine Übung im Kampf gegen das Klischee sieht so aus: Man nimmt sich einen älteren „abgehangenen“ Text und markiert zweifarbig alle Denk- und Redeklischees, die man aufspüren kann. Dann überarbeitet man den Text und versucht die betroffenen Passagen umzuformulieren. In der Regel wird das dazu führen, dass man mehr über die Figuren wissen muss. Klischees brechenInteressant wird es, wenn man absichtlich Klischees ins Spiel bringt, entweder um sie einer Figur in den Mund zu legen und diese damit zu charakterisieren (aber vorsichtig, sonst wird die Figur selbst zum Klischee) oder indem man Klischees bricht. Das kann man zum Beispiel, indem man eine Figur vordergründig klischeehaft gestaltet, andere Figuren, und eventuell auch die Leser, folgen dieser Denkrichtung, die dann aber eben als Klischee enthüllt wird.
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